09 April

09 April

Neues Förderprogramm hilft, Startups ins Leben zu rufen

Mit dem „Accelerator-Programm“ schafft die Mediengruppe Oberfranken eine Schnittstelle zur innovativen Gründerszene in Franken. Im Interview erzählt das Accelerator-Team um Maximilian Grimmer und Stefan Pflaum, was sich hinter dem Förderprogramm verbirgt.

Was ist das Accelerator-Programm?

Maximilian: Ein Accelerator hilft jungen Startup-Gründern und Unternehmen dabei, ihr Geschäftsmodell schneller auf den Weg zu bringen. Das Wort kommt aus dem Englischen von „Beschleunigung“. Es geht darum, Startups zu unterstützen, damit ihre Produkte schneller marktfähig werden. Das passiert grundsätzlich nicht kostenlos, sondern es ist praktisch ein Austausch von Kompetenzen und Geld gegen Firmenanteile. Gründer, die am Accelerator-Programm teilnehmen, brauchen nicht viel mehr als eine Idee mit einem funktionierenden Geschäftsmodell dahinter, um sich bewerben und teilnehmen zu dürfen. Diese müssen aber auch einen Auswahlprozess durchlaufen.

Stefan: Man kann sich das vorstellen wie eine Vorstufe zu „Die Höhle der Löwen“: Man „pitcht“ seine Startup-Idee und muss dann damit überzeugen. Was den Leuten und Ideen häufig fehlt, ist der nötige Anschub. Hier können wir als Mediengruppe noch wesentlich mehr bieten als einfach nur Geld – nämlich vor allem Reichweite und unser eigenes Kundennetzwerk.

Wie sieht eure Tätigkeit konkret aus?

Maximilian: Im ersten Schritt haben wir analysiert, wie in Bamberg der Stand der Dinge ist und was dort in der Gründerszene passiert. Das Ergebnis: Wir müssen sehr früh anfangen mit der Unterstützung, denn es gibt viele interessante Ideen, aber oftmals muss noch am Geschäftsmodell gefeilt werden.
Stefan: Daher zeigen wir potenziellen Gründern beispielsweise im Ideen-Bootcamp mit Markus Potzel, wie sie ihre Idee evaluieren und ein Geschäftsmodell erarbeiten können.
Was ist denn unter dem Ideen-Bootcamp zu verstehen?

Stefan: Gemeinsam mit den „Ideenhabern“ und Markus Potzel setzen wir uns einen Nachmittag zusammen. Wir versuchen, anhand von bestimmten Methoden, wie beispielsweise dem Business Model Canvas oder Lean-Startup-Herangehensweisen, die Ideen weiter auszuformulieren und sie einem „Reality-Check“ zu unterwerfen. Zusammen erarbeiten wir Antworten auf die Fragen: Gibt es einen Markt dafür? Wie kann man damit am Ende Geld verdienen? Gibt es jemanden, der für so eine Idee überhaupt Geld zahlt? Auf Basis dieser Fragen diskutieren wir, ob es sinnvoll ist, die Idee weiterzuentwickeln oder ob man an einzelnen Stellen vielleicht nachbessern muss.

Maximilian: Diese Bootcamps sind eine Vorstufe zum Accelerator, denn hier fließt kein Geld und auch keine Anteile oder Beteiligungen. Stattdessen evaluieren wir ganz offen und ungezwungen die Ideen. Mitmachen kann dabei eigentlich erstmal jeder, der eine Geschäftsidee hat.

Was macht eine vielversprechende Businessidee und ein entsprechendes Geschäftsmodell aus?

Maximilian: Für mich ist eine Idee vielversprechend, wenn sie ein konkretes Kundenproblem löst. Außerdem muss damit auch irgendwie Geld verdienen können.

Stefan: Das Kundenproblem ist hier der eigentliche Knackpunkt. Zuerst ist zu hinterfragen, ob das Problem tatsächlich existiert. Häufig konstruieren die Ideengeber Probleme, die zum Geschäftsmodell passen, aber in der Realität nicht vorhanden sind. Die zweite Frage ist dann, ob das Problem nur einen kleinen Kundenkreis betrifft oder eine kritische Masse erreichen kann.

Werden aktuell schon Startups im Rahmen des Accelerator-Programms gefördert?

Stefan: Nein, soweit sind wir noch nicht. Wir konzentrieren uns jetzt vor allem auf das Thema Ideen. Über verschiedene Events haben wir schon erste Kontakte zu Gründern geknüpft. Zukünftig wollen wir auch selbst Events organisieren, um Kontakt zu möglichen Teilnehmern am Accelerator herzustellen. Mit dem Accelerator-Programm selbst starten wir, sobald es die ersten interessanten Geschäftsmodelle gibt.
Welche Rolle spielt das Programm mit Blick auf die MGO Digital Ventures?

Maximilian: Es muss mit Sicherheit ein Ziel sein, Startups so weit zu bringen, dass es für die MGO Digital Ventures Sinn macht, zu investieren. Aber gleichzeitig kann es auch sein, dass sie sich in eine andere Richtung entwickeln. Auf jeden Fall arbeiten wir in enger Zusammenarbeit und in direktem Austausch mit Frau Albert. Von der Reihenfolge her sind wir einen Schritt früher dran und bekommen Startups schon früher in den Dunstkreis der Mediengruppe als die Kollegen von Ventures.
Wie kam es überhaupt zur Idee des Accelerator-Programmes?

Stefan: Prinzipiell ist Corporate Accelerator kein neues Model. Viele der großen Verlagshäuser haben ähnliche Programme, denn sie haben erkannt: Durch einen Accelerator begegnet das Unternehmen ständig neuen, interessanten Menschen mit guten Ideen und kann es so schaffen, immer am Puls der Zeit zu sein.

Welche Pläne habt ihr für die Zukunft des Accelerator-Programms?

Stefan: Unsere Vision ist es, eine Art Heimat für Querdenker und Visionäre in Oberfranken zu werden. Wir wollen mit diesen auf einer Wellenlänge kommunizieren und eine Community schaffen, damit man sich gegenseitig befeuern kann. Wichtig ist uns dabei auch, zu vermitteln, dass man nicht in die Großstadt ziehen muss, um seine Idee verwirklichen zu können.

Maximilian: Tatsächlich bietet Oberfranken zahlreiche Vorteile gegenüber der Großstadt. Zum Beispiel ist es hier viel leichter, Kontakte zu knüpfen und ein enges Netzwerk aufzubauen.

 

Über Maximilian Grimmer:

Maximilian hat kürzlich seine Master-Arbeit an der TU München zum Thema “Erfolgsfaktor-Gründerteam” verfasst, kommt aus einem Familienbetrieb im Landkreis Bamberg und besucht aktuell berufsbegleitend den Studiengang “Zukunftsdesign” der Hochschule Coburg.

Über Stefan Pflaum:

Stefan gründete nach dem Studium der Wirtschaftsinformatik selbst zwei Startup-Unternehmen und war unter anderem bei MediaSaturn als Investmentmanager tätig. In den letzten Jahren begleitete er Mittelständler und Konzerne in der Umsetzung neuer Innovationen und Geschäftsmodelle.

Bild: Sarah Ort

Von Valerie von Raven

Valerie von Raven

Nach ihrem Studium in Stuttgart, Tampere und Oslo studiert Valerie von Raven zurzeit Kommunikationswissenschaft an der Universität Bamberg und schreibt in der MGO ihre Masterarbeit. Nebenbei arbeitet sie als Werkstudentin in der Unternehmenskommunikation.

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