20 Februar

Safer-internet-day

20 Februar

Misstraut euch!Ein Drei-Punkte-Plan in Sachen Netzsicherheit.

Datenklau, Cyber-Mobbing, Spähsoftware, – der internationale „Safer Internet Day“ lenkte vergangene Woche die Aufmerksamkeit auf die Schattenseiten des Internets. Trotzdem bewegen sich viele Nutzer weitgehend ungeschützt im World Wide Web. Das muss nicht sein. Ein Drei-Punkte-Plan in Sachen Netzsicherheit.  

64.426. So viele Fälle von Cyberkriminalität verzeichnete das Bundeskriminalamt allein im Jahr 2013. Der NSA-Abhörskandal und die seitdem anhaltende Diskussion über staatliche Eingriffe in die Datensicherheit tun ihr Übriges, um die knapp 56 Millionen deutschen Internetnutzer zu verunsichern: Nur 16 Prozent halten ihre persönlichen Daten laut einer Umfrage des Hightech-Verbands BITKOM im Internet für sicher. Dabei wäre es oftmals ein Leichtes, den digitalen Gefahren etwas entgegenzusetzen:

Seid kreativ!

password, 123456, qwerty – einfallslose Passwörter wie diese knacken selbst Hobby-Datendiebe im Handumdrehen. Trotzdem führen sie alljährlich die vom Sicherheitsunternehmen Splashdata herausgegebene Liste der beliebtesten Passwörter an. Der durchschnittliche Internetnutzer setzt – den ständigen Warnungen der Netzwelt zum Trotz – eben gern auf leicht Einprägsames. Dabei gibt es inzwischen allerlei hilfreiche Tools, die dem überforderten Passwortsuchenden in Sachen Kreativität unter die Arme greifen: Seiten wie Passwort Generator nehmen dem Nutzer das Ausdenken komplizierter Sonderzeichen-Buchstaben-Kombinationen ab und weisen sogar die Sicherheitsstufe des neuen Zugangscodes aus. Auch beim Auswendiglernen der neuen Passwörter gibt es inzwischen digitale Helfer: Das kostenlose Verwaltungsprogramm KeePass beispielsweise. Es speichert Passwörter und legt sie verschlüsselt auf der Festplatte ab. Merken muss sich der Nutzer dann lediglich ein Masterpasswort, das im Zweifel auch – ganz offline – auf einem Zettel in der abgeschlossenen Schreibtischschublade gut aufgehoben ist.

Seid misstrauisch!

„Glaube nichts und traue niemandem“ – was in der echten Welt nach der Maxime wirrer Verschwörungstheoretiker klingt, erweist sich in digitaler Umgebung als kluger Ratschlag. Ein gesundes Misstrauen ist die Voraussetzung, um den allgegenwärtigen Cyber-Gefahren zu entgehen. Das gilt nicht nur für den Umgang mit schadsoftware-verseuchten Spam-Mails, die täglich millionenfach in den Postfächern deutscher Internet-Nutzer landen. Auch bei der Nutzung von Sozialen Medien wie Facebook, Instragram und Co. ist besondere Vorsicht geboten: Unzureichend geschützte Social-Media-Accounts ermöglichen nicht nur einen intimen Blick in die Privatsphäre des jeweiligen Nutzers, sondern im Zweifel auch Zugriff auf private Bilder und Inhalte, die im Internet ohne Weiteres kopiert und zweckentfremdet werden können. Was nach der ewig alten „Das-Internet-vergisst-nichts“-Parole der Digital-Skeptiker klingt, hat auch im Jahr 2015 nicht an Bedeutung verloren: Nach dem wegweisenden Gerichtsurteil zum „Recht auf Vergessenwerden“ im Mai 2014 gingen allein aus Deutschland 36.308 Anträge auf das Löschen von URLs aus der Google-Suche ein. Spitzenreiter unter den betroffenen Websites ist: facebook.com. Anlass genug, die eigenen Social-Media-Gewohnheiten zumindest ab und an kritisch zu hinterfragen. Anhaltspunkte dazu liefert das Bundesministerium für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit einer Checkliste für Sicheres Surfen in Sozialen Netzwerken.

Seid kompetent!

Kompetenz im Umgang mit Neuen Medien – was nach dem Titel eines VHS-Kurses für Senioren klingt, würde den meisten deutschen Internet-Nutzern gut zu Gesicht stehen. Insbesondere der Generation der „digital natives“, die sich vergleichsweise unbesorgt und scheinbar sicher im Internet bewegt. Öffentliche Einladungen zu „Facebookpartys“, unfreiwillig veröffentlichte Privatbilder und zunehmende Fälle von Cyber-Mobbing zeichnen jedoch ein ganz anderes Bild der digitalen Ureinwohner und ihrer medialen Kompetenz. In eine ähnliche Richtung weist auch die von der TU Dortmund durchgeführte ICLIS-Studie, Die die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von Achtklässlern international vergleicht. Das Ergebnis: die durchschnittliche Medienkompetenz deutscher Schüler ist mittelmäßig, während etwa 30 Prozent der Jugendlichen nur über lückenhaftes Wissen und unzureichende Fertigkeiten im Umgang mit neuen Technologien verfügen. Umso wichtiger also, dass der Umgang mit den Neuen Medien einen festen Platz auf den Lehrplänen der Schulen und im Bewusstsein der Öffentlichkeit erhält. Denn nur wer sicher mit Hard- und Software umgehen kann, wer weiß, welche Gefahren im Internet lauern und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen treffen kann, ist ein mündiger digitaler Bürger, der die neuen Möglichkeiten der vernetzten Welt voll ausschöpfen kann.

Von Maike Molling
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Maike Molling

Maike Molling ist seit 2014 in der Unternehmenskommunikation der Mediengruppe Oberfranken als Werkstudentin tätig. Daneben studiert sie an der Universität Bamberg den Masterstudiengang Kommunikationswissenschaft.

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