28 Januar

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28 Januar

WhatsApp-Newsdienst aus BambergWie AR Printprodukte zum Leben erweckt

Ich glaube, dass viele den Begriff „Innovation“ bereits in der Vergangenheit eher selten mit Unternehmen in Verbindung gebracht haben, deren Leistungskern die Produktion von Pressemedien war. Und auch heute sieht der eine oder andere Experte die Entwicklung von Medieninnovationen nicht in den Medienunternehmen dieser Welt, sondern viel mehr bei jungen Start-Ups außerhalb der Medienbranche.

Zumeist bezieht sich dabei der Innovationsbegriff aus meiner Sicht auf die Entwicklung neuer Technologien, interessanterweise also nicht so sehr auf relevante Inhalte, um die es am Ende in der Hauptsache gehen muss.

Aber was ist denn eigentlich eine Innovation? Eine Innovation im klassischen Sinne kann etwas ganz neues, noch nie dagewesenes sein. Sie kann aber auch die Verwendung einer bestehenden Technologie für einen neuen Zweck darstellen, oder? Und ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass es ebenfalls als Innovation bezeichnet werden kann, wenn eine bestehende Technologie oder ein bestehendes Nutzungsmuster in einen neuen Kontext eingeführt wird. Zum Beispiel bezogen auf Branchen, Regionen oder auch Unternehmen. Es ist eine Frage der Perspektive, meine ich.

Wir waren nicht die ersten, die im Sinne einer innovativen Entwicklung versucht haben, den beliebten Messenger WhatsApp als Kanal für die Verteilung von Presseinhalten zu nutzen. Schon allein wegen der potentiell jüngeren Zielgruppe machte das Sinn. Vor uns haben das zum Beispiel schon der BBC, die Schweizer Blickgruppe und auch der ORF versucht. Aus verschiedenen Gründen brachten die Versuche der Kolleginnen und Kollegen aber nicht den gewünschten Erfolg.

Die MGO (und ja, darauf bin ich echt ein bisschen stolz), ist eines der ersten regionalen Medienunternehmen in Deutschland, das einen WhatsApp-Newsdienst für lokale Nachrichten etabliert hat, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Und zwar auf der Grundlage einer Studie, die unsere Redaktionsvolontärin Lena Alt im Rahmen ihrer Bachelorarbeit unternommen hat.

Gestartet am 1. Dezember mit irgendwas um die 400 Nutzer, bedienen wir mit diesem Service nach nun gut zwei Monaten rund 5000 Kunden. Unsere Presseveröffentlichung brachte so viele Fragen und Feedbacks auf, dass wir uns dazu entschieden, alle Interessierten nach Bamberg einzuladen. Aus Österreich, der Schweiz und verschiedenen Teilen der Bundesrepublik reisten am 21. Januar 2015 über 50 Kolleginnen und Kollegen an, um an diesem kleinen, aber feinen Event teilzunehmen. Darunter auch bekannte Namen wie Marco Maas und Frank Schmiechen, die uns mit Gastvorträgen beehrten. Unsere „Stars“ des Programms waren natürlich Lena Alt und Tobias Stich, die als Redakteure das Projekt maßgeblich gestaltet hatten.

Das Programm hat die meisten Teilnehmer begeistert. Ich habe hinterher gehört, dass vor allem die Tiefe, in der Lena und Toby unser Vorgehen und den aktuellen Stand beschrieben haben, eindrucksvoll war. Genauso wie das ehrliche und sympathische Eingeständnis, dass auch wir nicht den Stein der Weisen ausgegraben haben und noch einige Punkte ungeklärt sind. Ein Geschäftsmodell zum Beispiel. Es steckt eine Menge Arbeit und Hirnschmalz in unserem WhatsApp-Service und noch kann freilich niemand sagen, wohin uns dieses Experiment führt. Aber Experimente sind schließlich dafür da neue Dinge zu probieren, offene Frage zu klären und vielleicht eines Tages etwas ganz Neues entstehen zu lassen.

Vielleicht war es ja ein schicksalhafter Zufall, dass WhatsApp im Laufe der Tagung einen WebClient veröffentlichte. Denn der bietet vielleicht langersehnte Möglichkeiten, was das Handling des Newsdienstes via WhatsApp anbelangt.

Es war deshalb auch nicht verwunderlich, dass am Morgen nach der Konferenz schon die ersten Bilder aus der MGO-Redaktion auftauchten, auf denen man sah, wie die projektbegleitenden Redakteure den neuen WebClient ausprobierten.

Ich glaube, Medienunternehmen müssen und können innovativ sein. Auch kleinere Häuser wie das unsere. Wir müssen uns nicht verstecken, auch wenn wir natürlich noch viele weitere tolle Ideen entwickeln und umsetzen müssen. Nicht nur in der Redaktion, sondern auch in allen anderen Geschäftsbereichen unseres Hauses.

Aber welches Unternehmen muss das eigentlich nicht?

Von Martin Wilbers
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Martin Wilbers

Martin Wilbers ist Leiter Unternehmenskommunikaton und Marketing Services der Mediengruppe Oberfranken. Der Diplom-Soziologe ist seit Juni 2011 in dieser Position Unternehmen tätig.

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