01 Oktober

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01 Oktober

MedienpreisCoburger Tageblatt schafft das „Double“

Coburg liefert immer wieder Schlagzeilen – doch diese eine sorgt im vergangenen Jahr für ganz besonders viel Aufregung und Gesprächsstoff: Der Direktor des renommierten Gymnasiums Casimirianum hat eigenmächtig die Abitur-Noten geschönt. Unter anderem auch deshalb, wie später herauskam, weil es doch nicht sein könne, dass seine Schüler „dümmer“ seien als die der anderen Gymnasien in der Stadt.

Dass der Skandal überhaupt bekannt wurde, war und ist Christiane Lehmann zu verdanken. Die langjährige Redakteurin des Coburger Tageblatts hatte den Fall mutig an die Öffentlichkeit gebracht und auch in der Folgezeit kritisch begleitet – wohlwissend, dass sie sich damit in einer Kleinstadt nicht nur Freunde macht. Doch Christiane Lehmanns Mut wurde belohnt: in Form von sehr hohen Klickzahlen für die Texte auf dem Nachrichtenportal inFranken.de, durch ganz bestimmt sehr hohe Lesequoten in Print – und jetzt auch mit dem „Coburger Medienpreis 2014“ in der Kategorie „Wellenschläger“.

Der „Coburger Medienpreis“ wird seit drei Jahren vom Coburger Medienclub vergeben, und zwar in drei Kategorien, aufgeteilt noch jeweils in „Oberfranken“ sowie „national“. Knapp einhundert Bewerbungen gab es diesmal, darunter auch aus Bamberg, Bayreuth und Hof. Die Jury bestand aus dem Leiter des dpa-Büros London, Michael Donhauser, und dem Mediencoach und früheren Chef von Antenne Bayern, Detlef Kuschka.

Prämiert wurden am Ende unter anderem Beiträge des SZ-Magazins, des MDR sowie eine Arbeit einer Abschlussklasse der Deutschen Journalistenschule in München. Und: Auch in der Kategorie „Schöpfung“ ging ein Preis ans Coburger Tageblatt. Redaktionsleiter Oliver Schmidt hatte zusammen mit zwei Kollegen von Radio Eins ein Projekt initiiert und begleitet: Die Schüler einer achten Realschulklasse verzichteten eine Woche lang auf ihre Handys und Smartphones. In vielen Zeitungs- und Online-Reportagen sowie Hörfunkbeiträgen wurde über die Erfahrungen berichtet, die die Schüler in dieser Zeit sammelten.

Während die Jury beim Handy-Projekt vor allem die crossmediale Aufbereitung lobte, ging Michael Donhauser in seiner Laudatio auf Christiane Lehmann ganz gezielt auch auf die vermeintliche Krise im Print-Journalismus ein. Die „klassischen Medien“ seien seiner Meinung nach nämlich sehr wohl noch in der Lage, „Wellen zu schlagen“. Donhauser wörtlich: „Print-Journalismus lebt, wenn er professionell gemacht ist.“

Christiane Lehmann, die sogar noch unmittelbar vor der Preisverleihung von einem ranghohen Politiker ob ihrer „unverschämten Berichterstattung“ über den angesehen Schulleiter angefeindet wurde, dürfte es vor allem gut getan haben, dass Michael Donhauser ihre Artikel in den höchsten Tönen lobte: „sauber recherchiert, ohne Sensationslust, stets fair gegenüber dem Hauptbetroffenen – sehr professionell!“

Von Oliver Schmidt
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Oliver Schmidt

Oliver Schmidt ist Redaktionsleiter des Coburger Tageblatts, eine Tageszeitung der Mediengruppe Oberfranken.

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